Kolumne aus dem aktuellen 07-Magazin

 

Goldener Gerscher Oktober

Ich weiß ja nicht, wie es Euch und Ihnen so geht, aber der Herbst macht mich immer ein bisschen sentimental (Da fällt mir ein selbst erdachter Witz ein: „Wollen Sie Ihre Tochter wirklich Sandy nennen, Frau Mental?“). Die bunten Blätter fallen und ich weiß noch, als ich damals Gera verließ, kam mir sogar das Laub der Bäume in Berlin größer vor. Aber als ich dann Gast in Gera war, ging ich spazieren und mir fiel zum ersten Mal auf, dass man, wenn man oben auf der Sorge steht, den Stadtwald sieht und mein grünes Herz schlug ein bisschen schneller. Das war mir vorher noch nie aufgefallen. Kann daran liegen, dass der Gersche ja den Kopf gesenkt hält und dadurch eher das Laub sieht als den Wald.

 Da man insbesondere deshalb in Gera ordentliche Schuhe tragen muss – man sieht sie einfach zu oft, als dass sie unansehnlich sein sollten – besuchte ich in diesen Tagen mit der minderjährigen Mitbewohnerin ein Schuhgeschäft auf der 1a Einkaufsmeile „Sorge“. Diese wird nach dem neuen Stadtmarketingkonzept dann sicher in „Unbeschwert“ oder „Hoffnung“ umbenannt. Jedenfalls gab es ein Schuhpaar, welches die minderjährige Mitbewohnerin gut fand und leider mangels Schleifenbindefähigkeit ausschließen musste. Die Verkäuferin nahte heran, erfasste das Problem und empfahl: „Machen Se doch Hasenohren. Mein Mann macht heute noch die Hasenohrenschleife, das kann jeder, der nen Knoten kann.“ Ratz fatz innerhalb weniger Minuten lernte sie der Minderjährigen die Schleife, wir waren alle ernsthaft ergriffen. „Komm ich da jetzt in die nächste Kolumne?“ fragte die Verkäuferin und das hat sie sich redlich verdient, denn: Solche Sternstunden brauchen wir hier in dieser schönen Stadt. Nicht das ständige „Wir haben nicht, wir können nicht, wir haben aber immer vorher so…“ und weiter Schuhe mit Klettverschluss kaufen. Nee, verdammt! Wir probieren es einfach mal anders rum, wir haben dafür etwas anderes, wir können dafür das hier bieten- wir probieren die Hasenohrschleife! Schauen wir nach vorn - und nur nach unten, wenn wir die Schuhe zum weiterlaufen zubinden müssen.

 

Ich wünsche Euch und Ihnen einen goldenen Gerschen Oktober!

 

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